Camp in Megève: eine Woche auf den Pässen
Vom 5. bis 12. September 2026 waren wir zu acht in Megève, am Fuss von Pässen, die durch die Tour de France und die Weltmeisterschaften berühmt geworden sind: sieben Velofahrerinnen und eine Betreuerin. Hier der Bericht unserer Woche und alles, was du wissen solltest, falls du nächstes Jahr dabei sein willst.
Der Bericht
Mit unserem ersten Trainingscamp wollten wir die Saison schön ausklingen lassen: unter Freundinnen, die gut fahren, auf einigen der schönsten Velostrecken der Alpen. Caroline und Livia haben es mit einer einzigen Unterkunft in Megève organisiert, mitten zwischen den legendären Pässen. Die Plätze gingen zuerst an Mitglieder, und das Camp war ausgebucht.
Die Ausfahrten in Zahlen
| Tag | Route | Fahrerinnen | Distanz | Höhenmeter | Zeit |
|---|---|---|---|---|---|
| So 6. | Megève → Col des Saisies → Megève | 5 | 52 km | 1340 m | 3h50 |
| Mo 7. | Megève → Côte de Domancy → Megève (Intervalle) | 5 | 25 km | 650 m | 1h45 |
| Di 8. | Megève → Col des Aravis → Col de la Croix Fry → Megève | 3 | 90 km | 2200 m | 5h50 |
| Megève → Col des Aravis → Thônes | 2 | 40 km | 650 m | 2h20 | |
| Do 10. | Megève → Côte 2000 → Megève | 7 | 18 km | 480 m | 2h10 |
| Fr 11. | Megève → Col des Aravis → Col de la Colombière → Sallanches | 3 | 90 km | 1600 m | 5h |
| Passhöhe Col des Aravis → Col de la Colombière → Sallanches | 2 | 62 km | 870 m | 3h20 |
Die Woche, Tag für Tag
Samstag, 5.: einrichten und essen
Das Camp begann mit Crêpes im Dorf. Dann folgten der Einkauf und ein erstes gemeinsames Essen: Pilzrisotto. Caroline, Julie, Geraldine, Louise und Stefania waren von Samstag bis Samstag dabei. Olivia und Monica stiessen von Mittwoch bis Samstag dazu, in der Kurzvariante. Livia fuhr nicht Velo: Sie hatte die «All-in»-Variante gewählt, mit Küche, Einkäufen und Auto.
Sonntag und Montag: die Beine wachen auf
Alle Ausfahrten starteten bei der Unterkunft: keine komplizierte Anreise, einklicken und losfahren. Das Auto diente nur als Sicherheitsnetz.
Am ersten richtigen Tag ging es von Megève auf den Col des Saisies. Der Pass liegt auf 1657 m und verbindet das Val d’Arly mit dem Beaufortain. Ab Flumet misst er 14,6 km bei durchschnittlich 5,5 %: eine gleichmässige Steigung, nicht bösartig, aber sie schenkt niemandem etwas. Die Tour de France fährt seit 1979 darüber. Abends gab es Spaghetti Bolognese, für die Vegetarierinnen mit Linsen-Bolognese.
Am nächsten Tag standen Intervalle an der Côte de Domancy auf dem Programm. Auf diesem Rundkurs in Sallanches holte Bernard Hinault am 31. August 1980 seinen einzigen Weltmeistertitel, mit einem Angriff im letzten Anstieg von Domancy: rund 2,5 km bei über 9 % im Schnitt, mit Passagen bei 16 %. Hier Intervalle zu fahren heisst, am Schauplatz einer Heldentat zu trainieren. Abends gab es geröstete Süsskartoffeln, geschmorte Zucchini und Poulet mit Senf, Honig und Zitrone, für die Vegetarierinnen mit Tofu.
Dienstag: Aravis und Croix Fry
Der grosse Tag. Fünf Velofahrerinnen fuhren los, auf dem Programm stand der Col des Aravis (1487 m). Livia holte Caroline und Louise in Thônes ab, während die anderen die Ausfahrt über den Col de la Croix Fry (1467 m) beendeten, einen Anstieg der ersten Kategorie bei der Tour 2013. Abends gab es Chili con oder sin carne, Salat und Käse: Das hatten wir uns verdient.
Mittwoch: Ruhe, Ankünfte, Spa
Ein Ruhetag, und Olivia und Monica kamen an. Am Nachmittag Shopping, dann Spa und Bäder, abends Pasta-Party mit anschliessendem Apfelkuchen.
Donnerstag und Freitag: die Kälte, dann die Colombière
Am Donnerstag stand die Côte 2000 an, bei grosser Kälte. Zum Aufwärmen gab es danach ein Gemüse-Tajine mit Vollkorn-Couscous und Bananenbrot.
Am Freitag ging es wieder zu den grossen Namen. Julie, Geraldine und Olivia fuhren auf den Col des Aravis. Livia setzte Stefania und Monica auf der Passhöhe ab, damit sie zu fünft weiter zum Col de la Colombière fahren konnten, rund 1613 m hoch und erstmals 1960 bei der Tour dabei. Aravis und danach Colombière: So begann auch die Etappe Megève–Morzine der Tour 2016. Die Gruppe kam spät in Sallanches an. Livia und Louise holten die Mädels ab, denn ein Tisch war reserviert. Das Abendessen gab es alle zusammen im Restaurant Le Torrent.
Samstag, 12.: Heimreise
Aufräumen, dann ein Brunch vor der Abreise und Rückkehr nach Hause.
Was wir mitnehmen
Die Rolle der Betreuung
Erste Erkenntnis des Camps: Nimm eine Person mit, die nicht Velo fährt. Livia kümmerte sich um Küche, Einkäufe und Auto, Caroline um die Organisation und um den GPS-Track jeder Ausfahrt. Jeden Abend bereitete Livia ausserdem Rice Cakes zu, damit alle am nächsten Morgen zum Start der Ausfahrt welche dabeihatten. Livia holte die Mädels ab, wenn jemand unterwegs die Ausfahrt abbrach, und fuhr diejenigen, die später zur Ausfahrt stossen wollten. Man fährt gelassener, wenn man weiss, dass es einen Plan B gibt, und niemand muss eine Ausfahrt zu Ende fahren, die nicht gut läuft.
Einige Tipps aus der Woche
- Wechsle die Tage ab: eine lange Ausfahrt, eine kurze Einheit, ein echter Ruhetag in der Mitte.
- Prüfe vor jedem Start das Wetter und nimm eine Windjacke mit: An der Côte 2000 hat uns die Kälte überrascht.
- Plane für jede Ausfahrt einen Plan B: ein Auto, einen Treffpunkt, die Möglichkeit, früher als die anderen heimzufahren.
- Denke schon beim Einkaufen an vegetarische Menüs.
- Richte ein Zimmer für die Schnarcherinnen ein.
Was vom Camp bleibt
Unglaubliche Pässe, ein tolles Miteinander und Frühstücke, bei denen jede isst, was sie will. Die Teilnehmerinnen fassen es in zwei Wörtern zusammen: «du kiff», wie man auf Französisch sagt, pure Freude.
Nächstes Jahr machen wir das Camp wieder. Wenn dich die Idee reizt, auf den Spuren der Tour zu fahren, mit Freundinnen und einem Team, das kocht, behalte unsere Ankündigungen im Auge: Die Plätze gehen zuerst an Mitglieder.













